Der Mythos vom Wohnriester

Die schlichte Wahrheit ist: es gibt ihn gar nicht. Aber bevor Sie jetzt in Panik ausbrechen und Ihren Bank- oder Bausparberater wutentbrannt anrufen, lassen Sie mich Licht ins Dunkel bringen.

 

2008 wurde die Riesterförderung durch das Eigenheimrentengesetz umfassend erweitert. Endlich wird auch die selbstgenutzte Immobilie gefördert. Immerhin eine der beliebtesten Altersvorsorgen der Deutschen. Nach Versicherungen, Investmentgesellschaften und Banken kamen jetzt konsequenterweise auch die Bausparkassen als Anbieter von Riesterverträgen mit ins Boot. Bekannterweise eignen sich Bausparverträge ideal zum Ansparen für den späteren Immobilienerwerb und zum Absichern niedriger Zinssätze für spätere (Anschluß-)finanzierungen. Und so konzipierten die Bausparkassen riesterzertifizierte Bausparverträge als Antwort auf das neue Eigenheimrentengesetz.

 

War das die Geburtsstunde des "Wohnriester"? Jein!

 

Genervte Kunden.

Der Riestermarkt war nachhaltig verbrannt. Zahlreiche negativen Presseberichte, schlechte und inkompetente Beratungen und Riesterverträgen mit extrem hohen Abschluß- und Verwaltungskosten verunsicherten viele Menschen. Allein das Wort "Riester" löste heftigste Reaktionen aus. Ich kann mich noch sehr gut an meine ersten Trainings erinnern - oft hatte ich das Gefühl, die Bankmitarbeiter hätten mich am liebsten gesteinigt, weil jetzt auch noch die Bausparkasse mit dem ungeliebten Riester um die Ecke kam.

 

Wortkreation für den einfacheren Verkauf.

Um also überhaupt Gehör bei den Kunden zu finden, haben Marketingexperten den "Wohnriester" kreirt, um zu verdeutlichen: Achtung, hier hat sich etwas geändert. Das "Negative", was Du kennst, ist der "Geldriester". Wir haben jetzt etwas ganz Neues. Es geht um Dein (zukünftiges) Haus, für das Du jetzt endlich staatliche Förderung erhalten kannst. Quasi die "neue Eigenheimzulage".

Vom Grundsatz her finde ich es legitim, da sich so einfach viele neue Chancen auf Beratungsgespräche ergeben haben. Und es ist auch nicht falsch. Aber es schränkt die Sichtweise ein, und das ist es, was ich in meinen Trainings immer wieder feststelle.

 

Entscheidungsdruck entsteht.

Durch die Erfindung des "Wohnriester" als Gegenpart zum "Geldriester" entsteht im Kopf des Kunden die Vorstellung, dass es sich um vollkommen unterschiedliche Verträge handelt. Das bedeutet: ich muss mich jetzt sofort für eines von beiden entscheiden.

 

Was geht beispielsweise im Kopf des Kunden vor?

Daniela Springer - Entscheidung

  • Will ich überhaupt bauen oder kaufen?
  • Was ist, wenn ich mein Haus verkaufen möchte?
  • Was passiert, wenn ich beruflich in eine andere Stadt ziehen muss?
  • Ich brauche meinen Wohnriester nicht zum finanzieren, aber eine Zusatzrente wäre schön. Und nun?
  • Jetzt spare ich schon 10 Jahre meinen Geldriester und will nun bauen. War alles umsonst?

 

Die Realität: In jedem Vertrag stecken alle Optionen.

Voraussetzung für die Riesterzertifizierung sind z.B. folgende Kriterien, die alle Verträge erfüllen müssen (Ausnahmen sind die riesterzertifizierten Baudarlehen und Bauspardarlehen):

 

  • Alle eingezahlten Beiträge inklusive Zulagen sind zum Zeitpunkt der Auszahlung garantiert. Das hat folgenden Nutzen:

- Riester-Investmentfonds sind vor einem Aktiencrash geschützt.

- Egal wie hoch die Abschlußgebühren waren, am Ende der Laufzeit bekomme ich zumindest mein Geld inkl. Zulagen wieder raus.

  • Das Guthaben ist insolvenzgeschützt.
  • Ich kann das Geld jederzeit für die zulässigen Zwecke entnehmen. Zum Beispiel kann ich

- mir ein schönes Haus bauen oder kaufen.

- meinen Miterben auszahlen, wenn ich das geerbte Haus selber bewohnen möchte.

- mir mein Haus altersgerecht auf Vordermann bringen lassen.

  • Bei Rentenbeginn kann ich bis zu 30% der Summe einmalig entnehmen.
  • Aus dem vorhandenen Guthaben bei Rentenbeginn bekomme ich eine lebenslange Rente.

 

Übersetzt bedeutet das: Aus meinem Bausparguthaben kann ich mir eine lebenslange Rente zahlen lassen. Oder: mein Investmentkonto kann ich als Eigenkapital zum Bau oder Kauf einer Immobilie nutzen. Oder: Mit dem Guthaben meiner Rentenversicherung kaufe ich mir einen Treppenlifta.

 

Natürlich hat jedes Produkt seine besonderen Vorteile - zum Beispiel der zusätzliche Darlehensanspruch eines Bausparkontos, den ich auch ungefördert beispielsweise für Modernisierungen verwenden kann. Oder die Ertragsschancen einer Investmentfondsanlage. Was jeweils strategisch günstig ist, hängt von der individuellen Situation des Kunden ab. Und dazu ist eine gute Beratung sehr wichtig.

 

Fazit: Die Entscheidung ist nicht, ob Sie einen "Wohn- oder Geldriester" wollen, sondern welche Anlageform am Besten zu Ihnen und Ihren Zielen passt!Daniela Springer: Das passende Ziel finden

Über mich

Daniela Springer Training & BeratungSeit über 20 Jahren berate und trainiere ich Menschen zu den Themen Baufinanzierung, staatliche Förderungen, Liquiditätsoptimierung, Existenzgründung und Existenzfestigung.

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Daniela Springer

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