Nutzt Riester wirklich nur den Reichen?

Eine Studie soll endlich die Wahrheit ans Licht gebracht haben: Riester nutzt nur den Reichen. Starker Tobak. Stimmt das wirklich?

Lesen Sie:

  • warum gerade einkommensschwache Haushalte überproportional profitieren.
  • wie es zu solch einer Fehlinterpretation kommt.

 

Eine wissenschaftliche Studie der Freien Universität Berlin und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung ließ mich aufhorchen. Endlich der wissenschaftliche Beweis, dass Vater Staat mal wieder nur den Vermögenden profitieren lässt? Zahlreiche Medien sprangen auf den Zug auf, proklamierten Aussagen wie: "Muss sich die Teilnahme leisten können": Riester-Förderung nutzt nur reichen Sparern (Focus vom 7.7.2015). Eifrig geteilt und kommentiert wurde überwiegend das Klischee bedient, das sich die Förderung für die Bezieher geringer Einkommen nicht lohnt.

 

Ist das wirklich so?

 

Gerade einkommensschwache Haushalte profitieren überproportional.

Hätte sich einer der Journalisten die Mühe gemacht, die Studie wirklich zu lesen bzw. zu verstehen, hätte die Überschrift mit Sicherheit anders lauten müssen. Die Wissenschaftler stellten eindeutig fest, dass es eine relativ zum Einkommen großzügige Förderung von Haushalten mit geringem Einkommen gibt. Stimmt. In Zahlen lässt sich das auch ganz einfach belegen:

Für 60 € Eigenbeitrag erhält ein kinderloser Förderberechtigter 154 € Zulage - eine Förderquote von 257 %. Das gilt für ein Bruttoeinkommen bis 5.350 € (also z.B. der klassische 450 €-Jobber). Kommen beispielsweise noch 2 Kinder (geboren ab 2008) dazu, erhöht sich die Zulage auf 754 €, das macht eine Förderquote von satten 1257 % bei einem möglichen Bruttoeinkommen von dann 20.350 €. Lassen wir eine mögliche Wertentwicklung des Vertrages einmal außen vor, summieren sich die Eigenbeiträge und die Förderungen auf insgesamt 16.280 € in 20 Jahren, wovon der Sparer selber nur 1.200 € selber eingezahlt hat - 15.080 € gibt es vom Staat geschenkt.

 Riesterförderung für Geringverdiener

Bei den sogenannten reichen Sparern sieht die Rechnung wie folgt aus: Sie erhalten für einen Eigenbeitrag von 1.954 € ebenfalls die Zulage von 154 € gutgeschrieben. Hier greift noch zusätzlich der Steuervorteil, da der Riesterbeitrag komplett von der Steuer absetzbar ist. Also erhält unser Sparer noch einmal eine Gutschrift vom Finanzamt von 855,88 € (incl. Kirchensteuer NRW). Das macht summa summarum eine Förderquote von 52 %. Nehmen wir auch hier die beiden Kinder dazu, erhöht sich die Förderquote auf 75%, bleibt aber deutlich unter den Quoten der Geringverdiener.

 

Riesterförderung für Besserverdiener

 

Geringverdiener sparen seltener.

Wie kommt es dann zu dieser Fehlinterpretation? Die Wissenschaftler haben als zweite Kernaussage festgestellt, dass prozentual viel mehr vermögende Menschen einen Riestervertrag abgeschlossen haben als Leute mit geringem Einkommen. In der Studie heisst es: "nur rund 7% des unteren Zehntels aber rund 22% des oberen Zehntels der Einkommensverteilung sparen in Riesterverträgen. " Wenn natürlich drei mal so viele Menschen einer Einkommensgruppe Riesterverträge besparen ist es logisch, dass in Euro gemessen auch eine höhere Summe dort ankommt. In Zahlen hat es der Focus so ausgedrückt: "Von den 2,79 Milliarden Euro Fördergeldern, die der Staat im Jahr 2010 ausgeschüttet hat, entfiel demnach mehr als eine Milliarde Euro auf Menschen, die mehr als 60.000 € netto im Jahr verdienen."

 

Entschuldigung, liebe Autoren, das hat nichts mit Nutzen zu tun sondern ist eine logische Konsequenz.

 

Schade, dass durch solch eine Berichterstattung viele Menschen weiter verunsichert werden und ihre Chance auf eine sichere und gute Förderung vergeben.

Über mich

Daniela Springer Training & BeratungSeit über 20 Jahren berate und trainiere ich Menschen zu den Themen Baufinanzierung, staatliche Förderungen, Liquiditätsoptimierung, Existenzgründung und Existenzfestigung.

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